RADWEG
Der Zuckerbahn-Radweg - Radfahrgenuss mit Natur Es duftet nach wilden Rosen und Weißdorn. Über einer Wiese dreht ein Bussard seine Kreise. Unter dem alten Viadukt rauscht die Wethau, Sonnenlicht bricht durch Buchen, Linden und Birken. Raps zeigt noch etwas von seinem satten Gelb. Wir sind unterwegs auf dem Zuckerbahn-Radweg. Als Asphalt-Band schlängelt er sich auf der einstigen, von Zeitz über Droyßig und Utenbach nach Camburg führenden Bahnstrecke durch das Wethautal. So komfortabel ausgebaut allerdings ist „nur“ das Stück zwischen Schkölen (ab Straße Aue - Schkölen) und Zeitz (Brikettfabrik Hermannschacht). Es umfasst jedoch rund 25 Kilometer. Also genügend Piste, um ordentlich in die Pedalen treten oder mit dem E-Bike genüsslich radeln zu können. Vorteil der gesamten Strecke: Es gibt zwar einige Steigungen, so zwischen Cauerwitz und Goldschau, sie aber lassen sich durchaus auch von Sonntagsradlern gut bewältigen. 2012 erstes Teilstück Obwohl bereits im Jahr 2012 mit einem 1,6 Kilometer langen Teilstück nahe Weickelsdorf eröffnet und seitdem in mehreren Abschnitten auf der gesamten Strecke komplett ausgebaut, ist der Weg entlang der Linie, auf der einst per Bahn vor allem Zuckerrüben aus dem Umland nach Zeitz transportiert wurden, noch immer ein echter Geheimtipp. Was ein großer Vorteil ist. Denn im Gegensatz zum berühmten Saale-Radwanderweg, auf dem an sonnigen Wochenenden Hunderte Radler und Spaziergänger unterwegs sind, lässt sich das Radfahren im Wethautal noch genießen. Ebenso müssen Wanderer nicht ständig nach diversen Klingelgeräuschen an den Wegesrand springen. Der Zuckerbahn-Radweg ist Ruhe inmitten idyllischer Natur und zwischen Dörfern, die verschlafen scheinen und in denen es doch vieles zu entdecken gibt. Also: Los geht es. Wir starten vor den Toren Schkölens an der Straße, die Aue mit der thüringischen Stadt verbindet. Zwischen Rapsfeldern geht es leicht bergab nach Seidewitz. Das Dorf wurde erstmals 1423 urkundlich erwähnt, gehörte lange Zeit zum Kreisamt Eisenberg und bis 1952 zu Thüringen. Dann erfolgte die Zuordnung zum Kreis Naumburg. Links des Weges erstrecken sich Hopfenfelder, ein Kirchturm lugt am Horizont hervor. Friedhof unter Bäumen Am Rande von Seidewitz und direkt am Radweg gelegen, weckt der kleine Friedhof unser Interesse. Unter hohen alten Bäumen zeugen Grabsteine von bäuerlicher Tradition, spendet ein steinerner Engel Trost, lädt eine Bank zum Ausruhen ein. Dann geht es durch lichten Laubwald zur Picknick-Stätte. Blühende Hecken, extra für den Radweg angepflanzt, geleiten uns weiter leicht bergab bis Utenbach. Die schmucke, romanische Kirche mit rotem Dach und Turm betrachten wir bei einem Halt nach Querung der in Richtung Cauerwitz führenden Straße. Auf dem Viadukt, der umfassend wiederhergestellt wurde, wird die Wethau überquert. Richtig zu sehen ist das steinerne Bauwerk erst von unten, ein schmaler Pfad führt hinab auf die Wiese. Bis Cauerwitz geht es auf gerader Strecke, Bäume und Büsche spenden uns Schatten. Nicht zu übersehen ist nun der Cauerwitzer Wasserturm, der - mitten in den Feldern stehend - an Bilder des US-amerikanischen Malers Edward Hopper (1882 - 1967) erinnert. Ebenso wie der benachbarte Bahnhof, an dem sich noch der Schriftzug Utenbach befindet, ist der Turm in Privatbesitz. Rast am Picknick-Platz Als auf der Bahnstrecke noch die Dampflokomotiven schnauften, um Personenwagen und Güterwagen hinauf nach Goldschau oder Schkölen zu ziehen, war der Bahnhof eine wichtige Zwischenstation. Denn dort „tankten“ die Dampfrösser Wasser nach. Das ist längst Geschichte. Am 1. Januar 1998 wurde der Güterverkehr eingestellt, zwei Jahre später kam für die 1897 eröffnete Bahnlinie gänzlich das Aus. Etwa fünf Kilometer haben wir nun zurückgelegt, Zeit also für eine Rast. Ein weiterer Picknick-Platz mit Tisch und Bänken lädt uns dazu ein. An Wochenenden ist auch ein Zwischenstopp in der in Cauerwitz von Konrad Mehlhorn eingerichteten „Blauen Blume“ möglich. Die Stärkung können wir vertragen, denn nun geht es stetig leicht bergan. Bäume spenden jedoch kühlenden Schatten. Die nächste Pause legen wir an der 1790 erbauten Radfahrerkirche in Waldau ein. „Vom Vorgängerbau ist als Teilstück eines gotischen Schnitzaltars ein Schrein erhalten, der die Madonna mit zwei Heiligenfiguren zeigt“, lesen wir dazu in der Broschüre „Entdeckungen entlang des Zuckerradwegs“ , die jüngst vom Förderverein Rad- und Wanderweg Bahntrasse Zeitz-Camburg veröffentlicht worden ist. Dem von Kerstin Beckmann, Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Wethautal geleiteten Verein, dem die Anrainer-Gemeinden des Radwegs angehören, ist es zu verdanken, dass die stillgelegte Bahnstrecke in einen schmucken Radweg verwandelt werden konnte. Weiter am ehemaligen Bahnhof Waldau vorbei erreichen wir das einstige Kohleabbaugebiet, über das uns Informationstafeln Auskunft geben. 1873 wurden in Waldau eine Schwelerei und eine Mineralölfabrik gebaut, später kam der Hauptschacht hinzu. 1901 arbeiteten hier immerhin 264 Kumpel. 1930 wurde die Waldauer Grube stillgelegt, da sich das Kohlevorkommen erschöpfte. Ein Jahr später wurde die Fabrik aufgegeben, 1935 erfolgte die Sprengung der Schornsteine. Autobahn stört nicht Unter der Autobahn 9 hinweg fahren wir nach Weickelsdorf, wo wir eine weitere neu hergerichtete Brücke passieren. Kurz vor dem ehemaligen Bahnhof geht es über die nach Roda führende Straße, dann rollen wir durch Felder sanft hinab nach Romsdorf. Auch hier scheint die Zeit ein wenig stehengeblieben zu sein. Am Teich quaken Frösche, ermuntern uns nach nunmehr rund 14 Kilometern zu einer weiteren Rast am Ufer des Gewässers. Weiter geht es nach Droyßig und den Teich, wo uns im Hof von Familie Tiedge Galloway-Rinder begrüßen. Am Dorf vorbei - oftmals kommt dabei der gelbe Turm des Droyßiger Schlosses in den Blick - erreichen wir den ehemaligen Bahnhof. Unter dem Motto „Übernachten im Denkmal“ heißen Katrin Beikirch und Michael Schomer hier Gäste willkommen, die auf einer längeren Tour ein Quartier suchen. Restaurant im Schloss Kurz hinter dem Bahnhof fahren wir auf der Straße in Richtung Schloss, denn dort hält Wirt Ralf Kannegießer die Türen des Schlossrestaurants offen. Für einen kurzen Aufenthalt bietet sich dagegen der Biergarten an. Gut gestärkt und nach einem Blick ins Bärengehege sowie einem Gang durch den kleinen Park, in dem sich ein schöner Kinderspielplatz befindet, brechen wir auf. Das letzte Stück liegt vor uns. Wieder auf dem Radweg, rollen wir bis Kretzschau gemütlich bergab. Von hier aus bietet sich eine ungewohnte Sicht auf die Stadt Zeitz und das Elstertal. In Kretzschau kreuzen wir die Bundesstraße. Nachdem wir Grana passiert haben, kommen wir in Zeitz an. Unser Fazit: Tolle Tour, die das Wethautal noch sympathischer macht. Quelle: Mitteldeutsche Zeitung, Naumburger Tageblatt vom 06.06.2017; Autor: Albrecht Günther. http://www.naumburger-tageblatt.de/27748396
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